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Oldtimer als Stoff für Auktion Sorgenkind
Mittwoch, den 14. Januar 2009 um 22:44 Uhr

1940er OldsmobileGeneral Motors braucht so dringend Geld, dass es nun an die heiligen Dinge geht: Der angeschlagene Autokonzern versteigert Hunderte Oldtimer aus der eigenen Sammlung. Im Angebot ist sogar ein ausrangiertes Papamobil.

Einen besseren Ort gibt es für eine Auktion nicht, auf der General Motors Oldtimer aus der eigenen Sammlung versteigert: die Wüste. Und zwar nicht nur, weil es in Arizona so trocken, karg und öde ist wie in den eigenen Kassen der krisengeschüttelten US-Autobauer. Der amerikanische Landstrich ist vor allem das beste, was einem Oldtimer passieren kann: Es regnet kaum, die alten Autos rosten nicht so schnell, und man kann die Fahrt in einem Cabrio fast immer genießen. Ein Paradies für Sammler.

30.000 Fans und Käufer erwartet

1000 GM-Autos, von Gebrauchsfahrzeugen bis zu Liebhaberstücken, stehen noch bis Sonntag in Scottsdale, einer Stadt nördlich von Phoenix, zur Versteigerung. Bis dahin erwartet der Autoauktionator Barrett-Jackson rund 30.000 Fans und Käufer. Unter den Angeboten ist zwar auch viel Ramsch. Ein Tracker Kalahari von 1994 brachte auf der Auktion nur 4700 $ , der Pontiac Aztec SRV von 2001, ein Einzelmodell, gerade 8000 $.

Doch ein Viertel der Autos stammt aus der Sammlung, dem Vermächtnis, ja Herzen des Konzerns: der GM Heritage Collection. Zu den wertvollen Stücken gehören ein GMC-Truck von 1916. Ein 2001er-Cadillac-LMP-Rennbolide. Und ein schneeweißes Papamobil. "Der Papst hat es nie benutzt", sagt Brian Baker, Leiter der Abteilung Global Design bei GM. "Er gab seinen Segen, aber sein Sicherheitspersonal lehnte das Auto mit den Worten ab: Fehlt eigentlich nur noch eine Zielscheibe."

Die Auktion passt zum Sparprogramm, das die US-Autobauer erfüllen müssen. Nachdem die Regierung Bush GM und Chrysler ein Rettungspaket von 17,4 Mrd. $ bewilligte, ist es nun an den Autobauern, bis Ende März ihren Sparwillen unter Beweis zu stellen. Die Maßnahmen haben nun auch die Autosammlung von GM erfasst. Die Museumsflotte aus etwa 1000 Klassikern soll auf etwa die Hälfte schrumpfen. 247 Wagen gehen jetzt in Arizona weg, in einigen Wochen werden dann in Palm Beach in Florida etwa noch einmal so viele Autos versteigert.

Greg Wallace, Chef des Heritage Center von GM in Detroit, verbittet sich zwar Frage, ob er den Familienschmuck verhökere. "Wir pflegen unsere Sammlung sorgsam und revidieren sie regelmäßig. Dazu gehört auch, jedes Jahr Modelle auszusortieren und in möglichst würdige Hände zu geben - am liebsten an Sammler", sagt er. Außerdem habe man einige gute Stücke zu Hause in Detroit gelassen. Einen Cadillac etwa, der über eine große Biografie verfügt: Seine Eignerin erhielt ihn 1931 - mitten in der großen Depression - als Erbstück. 1975 vermachte die Dame den Wagen dem Autohaus zurück.

Kronjuwelen unter dem Hammer

Trotzdem ist die GM-Auktion außergewöhnlich: Erstmals sind auch einige der Kronjuwelen des Konzerns dabei, erlesene Oldtimer und nicht nur wie bisher üblich Sondermodelle, Schaustücke und Prototypen. Zum Beispiel ein nachtblauer 1940er-Oldsmobile, der erste mit Automatikgetriebe. Oder das House Car von 1925, eine Frühform des modernen Campers.

Was die Versteigerung einbringen wird, will Wallace nicht schätzen. Er wage angesichts der augenblicklichen Wirtschaftslage keine Prognosen, sagt er. Unstrittig aber ist, dass mehrere der besonderen GM-Modelle sechsstellige Summen erzielen werden. "Wir haben es hier mit Sammlern, Liebhabern, Autonarren zu tun, die mit einem bestimmten Wagen vielleicht die Kindheit, ihren ersten Kuss, eine besondere Reise verbinden", sagt Wallace, der selbst Eigner einer privaten Sammlung mit 23 Wagen ist - und sich von einigen der Autos aus der GM-Sammlung nur schweren Herzens trennen kann. "Das geht einem zum Teil schon sehr nahe."

© 2009 Financial Times Deutschland

 

 

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