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| 75 Jahre Autokino |
| Dienstag, den 29. Januar 2008 um 15:43 Uhr |
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Im Autokino stören weder plappernde Teenager, noch winzige Leinwände, noch Rauchverbote den cineastischen Genuss. Trotzdem stirbt die schönste Art der Filmvorführung allmählich aus. Thomas Hillenbrand blickt wehmütig zurück auf 75 Jahre vollmotorisierte Romantik. Richard Hollingshead aus Camden, New Jersey, interessierte sich nicht für Buster Keaton und Greta Garbo. Richard Hollingshead wollte Zündkerzen verkaufen. Der Besitzer eines Autozubehör-Geschäfts suchte nach einer Möglichkeit, mehr Kundschaft anzulocken. Seine schrullige Idee: Pkw-Besitzer sollten sich nach dem Reifenwechsel Filme angucken und eine warme Mahlzeit zu sich nehmen. 1928 baute Hollingshead den ersten Autokino-Prototyp. Er stellte einen Kodak-Projektor auf seinen Wagen, brachte Lautsprecher an, nagelte Leinentücher zwischen zwei Bäume. "Die ganze Familie ist willkommen, egal, wie laut die Kinder sind", lautete sein Werbeslogan. Hollingheads 1933 eröffnetes, in fünfjähriger Arbeit perfektioniertes und patentiertes "Drive In Theatre" erwies sich als voller Erfolg: Bereits zehn Jahre später gab es in den USA über hundert "open zones", kurz Ozones. 1958 lag ihre Zahl bereits bei gut 4000. Die gezeigten Filme waren mitunter Nebensache. Der amerikanische Publizist Al Hine beschrieb in den Fünfzigern seinen Besuch im Cinema Park, dem damals weltweit größten Autokino in Phoenix (Arizona), folgendermaßen: "Die Besucher … parkten ihre Wagen und ließen die Kinder heraus, die sogleich auf die Spielplätze ausschwärmten. Dort fanden sie Wippen, Guckkästen, Balancestangen, Klettergerüste und selbst eine Miniaturbahn." "Im Wagen neben mir", so Hine weiter, "saßen junge Eheleute, die ihr Zwillingspärchen in einem selbstgemachten Körbchen auf dem Rücksitz untergebracht hatten. ''Wir können den Flaschenwärmer am Armaturenbrett einschalten'', erklärte die Mutter zwischen zwei Filmen ''und wann immer sie aufwachen, geben wir ihnen etwas Milch, dann schlafen sie gleich wieder ein''. Auch für kinderlose Teenager-Pärchen bot das Autokino reichlich Unterhaltung. Sie parkten im prüden Nachkriegsamerika gerne in der letzten Reihe. Der Ton kommt aus dem Radio Heute ist das Autokino eher eine exotische Liebhaber-Veranstaltung. Fernseher und Videorekorder haben den meisten Open-Air-Filmparks den Garaus gemacht. Deutschlands älteste überlebende Freiluftspiele befinden sich in Gravenbruch, bei Frankfurt. Über die A3 gelangt man via Bundesstraße zu einem Ticketschalter, ähnlich einer Mautstation. Anders als in den Frühzeiten des Autokinos muss der Zuschauer hier keinen Lautsprecher mehr in sein Fenster hängen - der Sound wird über das Autoradio übertragen. Im Winter kann man sich sogar tragbare Heizlüfter leihen. Für sensible Cineasten sind die Ozones angesichts der verlotternden Kinokultur der vielleicht letzte Zufluchtsort. Kichernde Teenager oder telefonierende Rüpel muss man dank des Platzes im eigenen Auto ebenso wenig fürchten wie Blasenschwächlinge ("Darf ich mal kurz durch?"). Statt der in Multiplexen gängigen Mini-Projektionsfläche gibt es eine ausreichend große Leinwand - in Gravenbruch hat sie 15 mal 36 Meter. Häufig kann man per UKW-Radio statt der Synchronfassung den Originalton auswählen. Autokinos sind zudem einer der wenigen Orte in Deutschland, wo man weiterhin ungestört rauchen darf. Trotz dieser Vorzüge stirbt das Autokino allmählich aus. In den USA sind es immerhin noch einige hundert. In Deutschland sind nur noch etwa 20 übrig, unter anderem in München, Stuttgart und Rostock. Selbst zu den Hochzeiten des Autokinos waren es allerdings wohl kaum mehr als 40 - Deutschland ist seit jeher Autokino-Diaspora. Vielleicht liegt es daran, dass Amerikaner viel mehr mit ihrem Fahrzeug verwachsen sind als die meisten Deutschen. Das war schon früher so. Der SPIEGEL schrieb 1954 über die erste deutsche Auto-Kino-Vorführung in Erlangen: "Die Zuschauer stiegen, den Sinn des Auto-Kinos verkennend, während der Vorführung aus ihren Wagen und folgten dem Geschehen auf der Riesenleinwand im Freien, auf dem Trittbrett sitzend oder an die Kühlerhauben gelehnt. Erst als es zu regnen begann, verschwanden sie nacheinander im Innern ihrer Wagen." Quelle: spiegel.de
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