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US-Autodesign in dem Sechzigern
Montag, den 10. September 2007 um 12:05 Uhr

Als Detroit noch glücklich war - Schneller, größer, kraftvoller - in den sechziger und siebziger Jahren waren die Ateliers von GM, Ford und Chrysler die Taktgeber des Industriedesigns. Eine Ausstellung alter Entwürfe dokumentiert den damals grenzenlosen Optimismus der Autostadt Detroit.

US-Autowerbung der sechziger Jahre war vor allem eins: laut. "Sie wird einen Sturm verursachen: die neue Thunder-Jet-V8-Maschine mit ihren aufregenden sieben Litern", brüllt es dem Leser aus einer Ford-Anzeige für den siebenundsechziger Thunderbird entgegen. "Auf auf und davon!"

Nie wieder war Amerikas Autoindustrie so grenzenlos optimistisch wie in den Sechzigern. Detroits sogenannte Big Three (GM, Ford und Chrysler) eilten von Absatzrekord zu Absatzrekord. Ihr Design war stilbildend. Es gab weder Ölkrisen, noch Konkurrenz aus Japan. Und die Amerikaner wollten Jahr für Jahr schnellere, größere und teurere Autos. Besonders populär waren Muscle Cars wie der Pontiac GTO oder der Ford Mustang.

Die Grundstimmung der Ära dokumentiert die Ausstellung "Designing An Icon. Creativity And The American Automobile" in Louisville (Kentucky). Der pensionierte Autodesigner William Porter, der als einer der Väter des Muscle Cars gilt, hat gemeinsam mit der Kuratorin Kay Grubola Skizzen und Zeichnungen aus den Studios der Big Three zusammengetragen.

Epizentrum des Designs

{mosimage}Kühn und selbstbewusst wirken die meisten der Entwürfe. Alles war erlaubt, Detroit begriff sich als Gravitationszentrum des weltweiten Industriedesigns. Nicht ganz zu Unrecht: Aus den Linien amerikanischer Autos leiteten sich die Formen vieler anderer Branchen ab.

Während heutige Autodesigner zunehmend auf Computer und Grafiktabletts zurückgreifen, wurden die von Porter gesammelten Skizzen ausschließlich mit klassischen Malerutensilien erstellt. Die Designer verwendeten Kreide, Berol-Stifte oder die Gouache-Technik, bei der mit halb deckenden und deckenden Wasserfarben gearbeitet wird.

In Louisville werden neben Porters eigenen Arbeiten Designs von Wayne Kady ausgestellt, der vor allem Cadillacs entwarf. Oder von Roger Hughet, der am Chevrolet Camaro mitarbeitete. Dass eine beachtliche Sammlung von Originalen zusammen kam, ist vor allem Porters guten Kontakten zu verdanken.

Detroit hat seine Seele verloren

Den Designern war es aus Geheimhaltungsgründen eigentlich streng verboten, ihre Skizzen mit nach Hause zu nehmen, vieles wurde in den Büros irgendwann weggeworfen. Porters Sammlung entstammt im wesentlichen den Privatarchiven jener Künstler, die sich den Anweisungen der Konzernführung widersetzen.

Wer die schön geschwungenen Karossen betrachtet, bekommt eine Ahnung davon, welchen Einfluss wirtschaftlicher Erfolg und eine positive Grundstimmung auf die Arbeit der Autodesigner gehabt haben müssen. Umgekehrt lässt sich an den seelenlosen Silhouetten aktueller US-Modelle wie dem Chrysler 300 oder dem Ford Taurus besser als an jeder Bilanz ablesen, wie schlimm es inzwischen um Detroit bestellt ist.

Quelle: http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,502710,00.html

 

 

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